Eisenbahnersportverein Konstanz 

Schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in zahlreichen Städten in Deutschland Eisenbahnersportvereine gegründet. 1926 schlossen sich diese Vereine zum Verband der Eisenbahnersportvereine zusammen. Der Hauptgrund war der Schicht- und Wechseldienst der Eisenbahner, denen in den bereits bestehenden Vereinen nicht Rechnung getragen werden konnte.

Leider ist nicht überliefert was die genauen Beweggründe der Herren Russ, Ehnis, Karl und Hans Welte, Argast, Gos und Glatz waren in diesen schwierigen Zeiten und mit den politischen Zielen im Nacken zu Beginn des Jahres 1934 einen Eisenbahnersportverein in Konstanz zu gründen. Von den Gründungsmitgliedern Ehnis und Hans Welte weiß man, dass es zunächst die Absicht war in Konstanz eine Wassersportgruppe als "Eisenbahner - Verein Konstanz e.V." zu bilden, als sich die Genannten am 29. April 1934 zusammen fanden und die Vereinsgründung beschlossen. Einstimming wurde Herr Russ zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Jedoch nicht der Wassersport war die erste Sportart in dem jungen Verein, sondern, nachdem noch 1934 mit dem Bau einer Kegelbahn im Keller des Bahngebäudes in der Bodanstrasse 5 begonnen wurde, waren die Kegler die ersten Aktiven im Verein. Weitere Abteilungen wurden gegründet.

1935 wurde ein von der Eisenbahn nicht mehr benötigter Kesselraum in der Wiesenstrasse 11 zu einer Turnhalle umgebaut. Der "Seemann" und Mitbegründer des Vereins Fritz Ehnis war der erste Turnwart dieser Abteilung.

Bereits 1936 - sicherlich durch die olympischen Spielen in Berlin inspiriert - wurde der Platz hinter dem Sozialgebäude und den Lockschuppen zum Sportfeld umgebaut. Vor allem die Leichtathleten um Josef Reisacher, Hermann Hirsch und Mario Knecht waren die Nutzer dieser Anlage. Bei zahlreichen Sportfesten im gesamten Bodenseeraum waren unsere Leichtathleten nicht nur gern gesehene Sportler, sondern durch die Aktiven Hirsch, Knecht und Reisacher auch sehr erfolgreich. Tauziehen sowie Frauen- und Kinderturnen und Fußball waren weitere neue Abteilungen im Verein.

Bereits ab 1936 berteiligten sich die Konstanzer Eisenbahnsportler mit Erfolg an überregionalen Sportfesten. 

Die Auflösung der reinen Arbeitersportvereine führte dem Reichsbahn-, Turn- und Sportverein immer wieder neue Mitglieder zu.

Im Jahre 1939 wurde eine Schützenabteilung gegründet, die dank der staatlichen Förderung lange diesen Sport ausüben durfte. 1940 holten sich die Schützen des Vereins bei einem Gautreffen in Karlsruhe den Mannschaftssieg und durch Willi Böttcher den Einzelsieg. Trainings- und Übungsplatz für die Eisenbahner war der Schießstand der Konstanzer Schützengesellschaft im Stadtteil Paradies.

Es waren die Zeitumstände, die langsam aber sicher den gesamten Sportbetrieb zum Erliegen brachten. Von 1941 bis 1949 sollte der gesamte Sportbetrieb ruhen. Doch diese erfolgreichen Aufbaujahre prägten bereits sehr entscheidend das Gesicht des Vereins. Die gute Kameradschaft und der Zusammenhalt aller Abteilungen war ein festes und sicheres Fundament, um Kriegs- und Besatzungszeiten zu überstehen.

Viele Jahre mussten es die Eisenbahnsportler erdulden, dass ihre Sportanlagen zweckentfremdet wurden. In der Turnhalle war zunächst die Drucksachenverwaltung der Reichsbahndirektion Karlsruhe untergebracht. Später ist hier eine Wohnung sowie ein Holz- und Kupferlager darin errichtet worden. Die Räume der Kegelbahn wurden als Vorratslager für die Bahnkantine benötigt.

Wenn auch die Städtefreundschaften zwischen Deutschland und Frankreich erst viel später zum tragen gekommen sind, so haben die Eisenbahner in Konstanz doch den Franzosen als Besatzungsmacht einiges zu verdanken und dies schon viele Jahre früher. Das gute Einvernehmen der französischen Eisenbahner im Bahnbetriebswerk Konstanz mit ihren deutschen Kollegen ermöglichte es, dass bereits 1949 der Sportbetrieb auf der Kegelbahn wieder aufgenommen werden konnte.

1951 mit neuem Namen und - wenn auch nur der Satzung nach - mit anderem Zwecke wurde unter der Leitung von Albert Seitz der "Eisenbahner-Sportverein Konstanz" als Nachfolger des "Reichsbahn-, Turn- und Sportvereins Konstanz" zu neuem Leben erweckt.

Bis 1955 leitete Seitz den Verein, dann wurde er von Walter Heilmann abgelöst, der 19 Jahre lang die Geschicke des Vereins bestimmte.

Die Turnhalle wurde in Eigenarbeit renoviert (Hermann Hirsch leistete dabei die meisten Arbeitsstunden) und langsam aber sicher wurden Sportarten wie Turnen, Leicht- und Schwerathletik, Tischtennis und Fußball wieder aktiv betrieben. Die Fußballabteilung erhielt nach langem Bemühen in Petershausen von der Stadt ein Gelände und wieder in Eigenarbeit konnte ein Fußballplatz errichtet werden. Der Platz gehörte bis Ende der 80-er Jahre vertraglich dem ESV Konstanz, doch eine eigene Fußballabteilung bestand seit 1967 nicht mehr.

Die Kegler hielten stets fest zusammen uns sind über Jahrzehnte die stärkste Abteilung gewesen. Die Kegelbahn wurde immer wieder erneuert und verbessert und 1984 konnten so rund 200 Keglerinnen und Kegler wöchentlich ihre Kugel schieben. Als weit blickend und sinnvoll erwies sich die Initiative von Georg Schwarzenbach, der 1956 zusammen mit sieben Getreuen die Wassersportabteilung gründete.

Die Schwerathleten haben den ESV Konstanz weit über unsere Grenzen hinaus bekannt gemacht. Hier war es besonders Hermann Hirsch, der in seiner Altersklasse manchen deutschen Titel, aber auch Europa- und Weltmeistertitel im Steinstoßen und Tauziehen an den See holte. Die Ehrungen durch den Verein, Verband und durch die Stadt Konstanz hat er sich redlich verdient.

Unsere Wanderer, um die es etwas ruhiger geworden ist und die Damengymnastkgruppen waren stets problemlose und gute Vereinsmitglieder, die sich durch gute Kameradschaft und Geschlossenheit auszeichneten.

Wie die ersten Jahre nach der Gründung, so waren auch die Jahre nach dem Krieg von neuen Aufbauwillen gekennzeichnet.

Nach Auflösung der Fußballabteilung haben zahlreiche Mitglieder den Verein verlassen und ein Neuanfang stand bevor.

1974 wurde eine verjüngte Führungsmannschaft gewählt. Nach einer Satzungsänderung wurde erstmals ein Präsident an die oberste Spitze des Vereins gestellt. Mit Thomas Koch, Amtsvorstand beim Bundesbahn-Betriebsamt Konstanz, wurde eine gute Wahl getroffen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Hans-Peter Klauda gewählt, der Jugendarbeit und Breitensport für alle, insbesondere aber für die Eisenbahner ermöglichen wollte.

Bereits 1975 konnte mit der Erweiterung der Turnhalle durch die tatkräftige Unterstützung des damaligen 2. Vorsitzenden Otto Springhardt der erste Schritt getan werden.

Der Ausbau der Steganlagen im Hafen Konstanz im Jahre 1976 zusammen mit dem Deutsch-Schweizerischen-Motorboot-Club (DSMC) und eine erneute Erweiterung der anlage 1983 unter dem damaligen Abteilungsleiter und heutigen Präsidenten des Vereins, Manfred Büsing ließ eine Heimstatt für Angler, Segler und Motorbootfahrer entstehen. Ein besonderer Dank gilt den Bodensee-Schiffsbetrieben unter ihren damaligen Leiter Dieter Bögle für das gezeigte Verständnis.

Einen großen Wunsch vieler Mitglieder konnte die Vereinsführung im Jahre 1979/1980 erfüllen. Mit dem Bau einer Tennisanlage mit 3 Plätzen, Ballwand, Clubhaus und Parkplatz wurde in Eigenarbeit eine mustergültige Sportstätte geschaffen. Verein und Abteilung mit Walter Graf an der Spitze konnten mit Recht auf diese schöne Anlage stolz sein.

Die Kegler unter ihrem damaligen Abteilungsleiter Horst von Kampen schufen sich 1982 neue Aufenthaltsräume und die sanitären Anlagen der Turnhalle konnten neu gerichtet werden.

Freudig und stilvoll konnte der Verein 1984 im Konzilgebäude sein 50 jähriges Bestehen feiern. Unter den damaligen Gästen waren der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Eickmeier, der Vizepräsident der Bundesbahndirektion Herr Fröchtling, Bahnsportdezernent Herr Böttcher und Bezirkssportleiter Kurt Haas.

Bereits damals waren Gerüchte im Umlauf, dass in der Bodanstrasse und dem dahinter liegendem Bahngelände mit massiven und für den Verein zunächst sehr negativen Veränderungen gerechnet werden muss.

"Optimismus trotz bitterer Pillen" so titulierte die Konstanzer Zeitung, der Südkurier, über die Jahreshauptversammlung unseres Vereins im Jahre 1985. Allen Mitgliedern war klar, dass wir unsere Sportanlagen in der Bodanstraße und in der Wiesenstraße verlieren werden. Nicht klar jedoch war, was an dieser Stelle neu entstehen soll. Die Deutsche Bundesbahn hatte zunächst eigene große Pläne mit dem Bau von Werkstätten und einem modernen Sozialgebäude. Dafür sollte ein Teil der Fläche an die Stadt oder Dritte verkauft werden.

Die Stadt hatte auch eigene Pläne wie z. B. den Bau einer Brücke oder einer Unterführung von der Bodanstraße hinüber zum See. Monate oder besser Jahre lang beherrscht dieses Thema die örtlichen Behörden, die Parteien und viele Konstanzer Bürger, die in zahlreichen Leserbriefen ihre Meinung kundtaten. Und wir haben tüchtig mitgeplant und auf eine brauchbare Lösung gehofft. Aber zunächst kam alles doch ganz anders.

Die Bahn hatte nicht nur die Baupläne aufgegeben, sondern auch im Zug einer weiteren Strukturänderung den Güterverkehr von der Schiene auf die Straße verlagert. Die Güterhallen auf der Seeseite wurden dadurch frei. Der ESV wollte gerne die "Spiegelhalle" als Ersatz für Kegelbahn, Turnhalle und Geschäftsräume bekommen, doch den Zuschlag erhielt die Stadt Konstanz für die Errichtung eines weiteren Theaterraumes.

Mit Unterstützung einiger einflussreicher Herren bei der Bundesbahndirektion in Karlsruhe gelang es dem Verein im Jahre 1994 die daneben stehende SBB Güterhalle in der Hafenstraße zu bekommen.

Jetzt erwies es sich als Glücksfall für den Verein, dass mit Manfred Mattmüller der richtige Mann die Führung des Vereins übernommen hatte. Als Diplomingenieur mit jahrelanger Erfahrung im Baudienst, wurde die heutige Anlage in der Hafenstraße geplant und umgebaut.

Viele Stunden an Planung und Bauüberwachung schulterte Mattmüller in diesen Jahren, erschwert durch die Anreise von seinem Wohnort Triberg.

Spannend war zunächst die Klärung der Zuständigkeit zwischen DB AG und Bundeseisenbahnvermögen (BEV), oder die Frage, wer für die Baugenehmigung verantwortlich ist. Dies zog sich bis 1996 hin. Die Finanzierung des Umbaus musste der ESV stemmen und nur mit Hilfe der Stadt, des Badischen Sportbundes, des Verbandes Deutscher Eisenbahner-Sportvereine und des Vereins selbst durch ein Sparda-Darlehn und viel Eigenleistung zahlreicher Mitglieder konnte der Kraftakt gemeistert werden.

Hier zeigte sich nochmals, wie häufig in der Vergangenheit, was Gemeinsinn zu schaffen in der Lage ist.

Die Entscheidung, dass die Halle der DB AG weiterhin gehört, brachte statt des erhofften Überlassungvertrags uns nun einen Mietvertrag mit der DB AG ein, was mit weiteren enormen Kosten verbunden war.

Dank den Bemühungen unseres Präsidenten, Manfred Büsing, konnte im Jubiläumsjahr die Stadt Konstanz die Sportanlage in der Hafenstraße erwerben und einen Mietvertrag mit dem ESV abschließen.

1997 war der Umbau fertigund konnte in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste wie den Konstanzer OB Horst Frank, dem Vertreter des VDES und zahlreicher befreundeter Vereine eingeweiht und der Sportbetrieb aufgenommen werden. Leider wirkte sich der Rückzug der Bahn aus der Fläche auch auf die Mitgliederentwicklung des Vereins nicht positiv aus. Von etwa 200 Mitgliedern im Jahre 1974 und 600 Mitgliedern 1986 sank die Zahl auf 471 Mitglieder im Jubiläumsjahr 2009.

Den sportlichen Aktivitäten tat diese Entwicklung wenig an. Tennis, Wassersport und Wandern in der Natur, aber auch die Hallensportarten wurden weiterhin aktiv betrieben. Nach sehr erfolgreichen und arbeitsreichen 10 Jahren gab Manfred Mattmüller sein Amt als 1. Vorsitzender an Rolf Schey ab. Nun war es an der Zeit die Halle mit sportlichem Leben zu erfüllen und die Anlage sinnvoll zu nutzen. Hier war Rolf Schey gefragt. Neben der Tätigkeit im Verein betreute Rolf Schey sehr erfolgreich die Deutsche Eisenbahner-Handball-Nationalmannschaft als Trainer.

Trotz der finanziellen Belastung durch den Ausbau der Sporthalle war es möglich im Jahre 2004 die Tennisanlage käuflich zu erwerben.

Übersicht der Vereinsvorsitzenden des ESV Konstanz:

1934 - 1940     Herr Russ

1951 - 1955     Albert Seitz

1955 - 1974     Waldemar Heilmann

1974 - 1986     Hans-Peter Klauda

1986 - 1989     Reiner Schmid

1989 - 1999     Manfred Mattmüller

1999 - 2008     Rolf Schey

seit      2008     Frank Burkard

Präsidenten:

1974 - 1989     Thomas Koch

seit      1989     Manfred Büsing

 

 

     

 

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